105km Köln (Halbmarathon – Inliner-Marathon – Marathon)
Dienstag, Oktober 10th, 20062006 Ford Marathon Köln (3-fach Start)
Halbmarathon + Inliner-Marathon + Lauf-Marathon
Mein zweites gewagtes Experiment im Rahmen des Köln-Marathon, nach dem Doppelstart in 2005.
Dieses Mal war es keine spontane Entscheidung, sondern eine lange im Voraus überlegte und mit anderen „verrückten“ Läufern abgesprochene Entscheidung. Im letzten Jahr sah das noch ganz anders aus, da war nicht wirklich etwas vom Druck zu spüren. Das sollte in diesem Jahr anders sein, denn erstmalig sollte in Köln ein zusätzlicher Wettbewerb in die Gesamtveranstaltung integriert werden.
Aufgrund rückläufiger Zahlen beim Marathon entschloss sich die Organisation, einen HM im Rahmenprogramm anzubieten. Eine richtige Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte, denn die Anmeldezahlen explodierten förmlich, je näher die Veranstaltung rückte. Zum Ende hin waren es über 5000 Läufer, was diesen HM sofort als größten HM-Lauf in NRW machte. Zeitgleich gab es noch zwei weitere Neuheiten, den „Run 63km“ – HM + M und die „105km von Köln“ – HM + Inliner + M
Zu den beiden längeren Distanzen meldeten sich bis kurz vor Schluss ca. 50 (Run 63km) und ca. 20 (105km) Ultrasportler. Einer von diesen „verrückten“ Sportlern war ich. Natürlich nur, weil es praktisch vor der „Haustür“ war, ich wohne knappe 20 km von Köln und weil ich auch ganz ordentlich Inliner fahren konnte, zumindest dachte ich es. Wobei das dahinrollen gut funktioniert und ich auch stoppen, drehen, bremsen und schnell rollen/gleiten kann. Aber eine Marathondistanz?!? Unter 1:45 Stunden?!? Nach einem Halbmarathonlauf, der möglichst ebenfalls unter 2 Stunden beendet werden sollte?!?
Diese Fragen kamen erst Wochen nach der euphorischen Anmeldung!!!!!!!
Jetzt hieß es, das gewisse Dinge optimiert werden mussten. Sollten die alten Inliner aus dem letzten Jahr herhalten oder nicht?!? Ich entschied mich für einen verstohlenen Blick bei ebay reinzuschauen und wurde schnell fündig. Naja, ich wurde „mutig“ fündig, denn ich entschied mich für Speedskater, denen alternativ auch eine Bremse beigelegt war. Die Inliner wurden überprüft, gereinigt und startklar für das erste Training gemacht. Ich hatte noch ca. 6 Monate Zeit bis zu meinem ersten gemischten (verschiedene Disziplinen) Ultra. Die Inliner passten sehr gut, einzig der schmale, kleine und nicht gerade stabil wirkende Schuh machte mir etwas Sorgen. War ich doch an normale Straßen-Inliner gewöhnt, deren Stiefelartige Schuhe fast bis zum Schienbein ragten. Aber jetzt, Halbschuh-Niveau!!! Die Stabilisierung während des Rollens viel mir beim ersten Mal sichtlich schwer. Tags darauf hatte ich Muskelkater in Schienbein/Wade und die Knöchel dankten es mir mit leichter Rötung, untermalt von Blasen und Schmerzen. 105km von Köln?!? Wie weit war das gerade von mir entfernt?!? Kamen da gerade irgendwelche Zweifel in mir hoch?!? Resignation?!? Ich versuchte mich an das letzte Jahr zu erinnern und war zuversichtlich, das ich es schaffen werde. Die Inliner kamen erst einmal in die Ecke, bis die Schmerzen nachließen, schließlich musste ich ja parallel irgendwie weiterlaufen. Eine längere Paus konnte ich mir nicht leisten.
So wechselte die Stimmung zwischen Euphorie und Melancholie, da einerseits die Fortschritte mit den ungewohnten Schuhen sichtbar waren, aber zugleich die Rückenschmerzen wegen der „Speedhaltung“ eher zunahmen. Denn das Training wurde gerade auf die HM-Distanz erst ausgeweitet, da mir noch entsprechende Trainingsstrecken in meiner Umgebung fehlten. Laufen kann ich ja fast überall, aber zum Rollen auf den Inlinern sollte der Boden schon etwas besser sein, möglichst frei von kleinen Steinchen, ohne Sand und ohne Risse oder diverse Anhebungen durch Baumwurzeln. ;-))
Der Sommer war da und das Inlinern übte ich mittlerweile am Rhein entlang in Richtung Bonn, es war zwar keine ideale Strecke, aber ich kannte die Entfernung und wusste wo ich aufmerksam sein musste. So langsam kam ich an die 30km-Grenze heran, bzw. rollte 1 Stunde 30 Minuten. Mehr wollte ich nicht trainieren. Ich hielt es hier ähnlich wie beim Lauftraining, wo ich nie die Marathondistanz als Test gelaufen bin. Etwas neues probierte ich allerdings als „Koppeltraining“, ähnlich wie ein Jahr zuvor. Doch dieses Mal trainierte ich als Einheit „Laufen Inlinern“ und „Inlinern Laufen“. In 2005 eierte ich ein wenig nach der Bewältigung der Inlinerdistanz herum. War ein sehr komisches, aber lustiges Gefühl.
Dieses Jahr war es jedoch etwas neues, denn vor dem Inlinern musste ich ja bereits gelaufen sein und gerade das wollte ich ebenfalls trainieren, um vor Überraschungen gefeit zu sein. ;-)) Das verlegte ich auf meine Hausrunde (14km), ich trainierte also eine Runde Laufen und dann eine Runde Inlinern, oder übte mich in der 3-fachen Bewältigung und schob hinter dem Inlinern wieder eine Laufrunde dran. Bei schönem Wetter war das klasse, glücklicherweise hatte ich wenige Regentage zwischendurch.
So plätscherte das teils dann doch anstrengende Training dahin, das Rollen lief immer besser und die Schmerzen im Rücken ließen nach, auch dank Kräftigung der Rückenmuskulatur durch Rudereinheiten im Keller. Hatte sich jetzt die Anschaffung doch gelohnt.
Inzwischen herrschte reger Austausch mit anderen Startern der 105er-Gruppe. Alle waren nervös, schließlich war es eine Premiere für und in Köln. Einer unserer Ultrastarter hatte zwischenzeitlich Kontakt mit Fernsehen (Center TV) und Presse.
Der Tag der Tage nahte und ich machte mich auf zur Messe des Ford Köln Marathon. Als ich dort ankam, herrscht der übliche Trubel, mir ging es direkt besser, denn zur unbehaglichen Nervosität kam die freudige Nervosität, die nachweislich viel stärker wurde. ;-)) Am Stand der Startunterlagen gab es aufmunternde und bewundernswerte Kommentare zu den „3“ Startbeuteln. Ich bedankte mich, jedoch mit dem Hinweis, das sie dies gerne wiederholen können, wenn ich das dritte Mal das Ziel erreicht hätte.
Die 3 Beutel kamen mir erst übertrieben vor, aber als ich dann am Nachmittag meine Sportsachen bereit legte, dachte ich, ich würde verreisen!!!!! Laufschuhe, Hose + Shirt, Strümpfe für den HM; Inliner, Helm, Protektoren + evtl. Hose + Shirt, Strümpfe für die Inliner; 2. Paar Laufschuhe, Hose + Shirt, Strümpfe für den Marathon. Dazu Duschzeug, Nahrung, Wasser, Iso, Pflaster, Pullover zum Wegschmeissen vor dem HM-Start, und und und
Letztendlich entschied ich mich nur 2 Shirts anzuziehen, schließlich hatte ich mal wieder eigene Laufshirts bedrucken lassen. ;-)) Weiß mit blauer Schrift und Blau mit weißer Schrift, vorne stand Kölle mit 2005 und hinten „Just for fun“ run - skate - run 21km Halbmarathon – 42km Inlinemarathon – 42km Marathon.
Am Marathontag lief alles ruhig an, die Bahn kam glücklicherweise pünktlich, nur das Schleppen der 3 Taschen war dann doch etwas lästig. An der Messe in Köln durften die Mehrfachstarter ihre Klamotten vorbei an allen anderen schon abgeben. Eine dankbarer Service, denn es gab ja noch eine offizielle Einweisung zum Ablauf. Die Wechselklamotten konnten wir in einem Extrazelt unmittelbar hinter dem Zielbereich deponieren, hier trafen wir dann auch die erstmaligen Run63 Teilnehmer. Dieses Event hatte ich mir für 2007 vorgenommen, dann hätte ich alle Kombinationen im Rahmen des Ford Köln Marathons geschafft.
Fehlte zuvor aber noch das Finishen!!!!!
Die Einweisung verlief kurz, denn wegen der aufkommenden Stimmung der erstmaligen HM-Veranstaltung konnten wir kaum unser eigenes Wort verstehen. Glücklicherweise durften wir uns unmittelbar nach den „Topläufern“ im ersten Startblock einfinden. Dafür ein Lob an die Orga. Das Gemeinschaftsgefühl unter den wenigen (Ultra-)Läufern und doch unter tausenden von Startern zu sein, war schon etwas besonderes. Hier entstand wohl das erste Mal so richtig ein Gefühl für mehr als nur die Marathondistanz. Im Nachhinein sind hier noch verrücktere Ideen entstanden. ;-)) Mehr dazu in den Folgejahren. Wir versammelten uns also direkt vor der „Promi-Tribüne“ und ließen uns anfeuern. Aufgrund unserer besonderen Startnummern (Hintergrundfarbe änderte sich je nach Wettbewerb) waren wir dort, zusätzlich zu meinem Shirt, schnell zu erkennen. Die Orga-Verantwortlichen drückten uns gestenreich die Daumen. War das jetzt motivierend, oder eher belastend?!? Ich denke eher motivierend!! Die Ultraläufer klatschten sich gegenseitig ab und wünschten sich selbst viel Glück an diesem wohl längsten Tag. Ich hatte eine Zeit von unter 9 Stunden angepeilt. Den HM wollte ich in ca. 1:50 laufen, die Inliner in knappen 1:45 und den Marathon möglichst in 5 Stunden. Die Zeit zwischen den Wettbewerben sollte zwar weiterlaufen, aber hier zur Bruttozeit gezählt werden. Nachdem ich also das erste Mal über die Zielmatte nach dem HM gelaufen wäre, könnte ich mir Zeit lassen, sofern es der Zeitplan der Wettbewerbe denn zuließ, und locker zum Umkleidezelt gehen und mir die Inlinerklamotten anziehen.
Der Startschuss fiel und wir liefen die ersten 500 Meter zusammen, hinter der Brücke /Heumarkt verabschiedeten wir uns im jeweiligen eigenen Tempo und wünschten uns noch einmal alles Gute. Ob es hilft, wenn man sich gegenseitig mehrfach Glück wünscht?!? Nach diesem Tag war ich skeptisch. ;-((
Ich lief mein eigenes Tempo und wollte mit einem Schnitt von ungefähr 5:15/km nach 1 Std. 50 Min. im Ziel sein. Es lief gut, zumal ich unterwegs viele aufmunternde, bewundernswerte und auch bemitleidenswerte Kommentare gehört habe. Nach dem 20 Mal unterließ ich es, die Bemerkung anzugeben, das ich ja erst einmal ankommen müsste. Aber dann, dann würde ich es mit einem Kölsch krachen lassen. Die ersten 10km liefen gut, mit knapp 55 Minuten war ich voll im Soll, obwohl es mir schwer fiel, langsamer zu laufen und so einige an mir vorbeiziehen zulassen. Aber schon wurde ich von einem erneuten Zwiegespräch unterbrochen, lief doch gerade ein Kollege an mir vorbei. So gestaltete sich der Lauf sehr kurzweilig und tatsächlich kam ich mit einer 1:51 in Ziel und war guter Laune!!! Ich zog mich um, schnappte mir etwas zu trinken, einen Riegel und machte mich gemütlich am Starterfeld der Inliner vorbei zum Start auf. Die „Cracks“ der Inliner waren schon auf der Strecke, die Blöcke dahinter warteten auf ihren Start. Als Mehrfachstarter durfte ich ja, wie erwähnt, in den jeweils ersten Block. Da dieser schon unterwegs war (mit einigen 105er-Startern) durfte ich also in den nächsten Block, trotz einiger ungläubiger und leider auch teils motzender Rufe, da ich mich reindrängeln durfte. Der Inliner-Start war etwas härter als der HM-Start, denn schon waren Arme und Beine im Scherenschritt unterwegs, um die unmittelbare Steigung zur Brücke hin, mit Schwung nehmen zu können. Ich hielt mich etwas zurück und holte mir dadurch weiteren Unmut verschiedener Skater, da ich sie aufhalten würde, behindern würde, „warum ich soweit vorne starten würde“, usw. ;-)) Ich blieb locker und machte die Musik an meinem MP3-Player lauter, rollte dahin und nahm dennoch langsam Tempo auf, denn zuviel Zeit konnte ich mir wegen des engen Zeitplans für den späteren Start beim Marathon ja nicht lassen. Die ersten Gleise kamen und das Springen klappte tadellos, keine Zeichen von festen Beinen oder evtl. Krämpfen. Der Chlodwigplatz lag hinter uns (ob die Baustelle jemals fertig wird?!?) und wir bogen nach nun insgesamt 7-8 Kilometern auf den Rheinufer ab. Jetzt war das Rollen wieder klasse, guter Untergrund und eine breite Straße, wieder entwickelten sich Gespräche und aufmunterndes Schulterklopfen. Die ersten „Schlangen“ bildeten sich und rauschten förmlich an mir vorbei. Wann sollte ich mich einer Gruppe anschließen, um soviel Kraft wie möglich zu sparen?!? Für die zweite Hälfte des Inliner-Marathons hatte ich mir dies vorgenommen. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende geführt, hob es mich von der Straße!!!! Aber nicht wie eigentlich üblich, vorne über fallend, wegen einem Steinchen oder einer Unebenheit, nein, weil ich mich kurz aufgerichtet hatte, verlor ich für kurze Zeit das Gleichgewicht, ein Bein schwang sich vorne in die Luft, die Arme fuchtelten um Halt und das zweite Bein flog hinterher und so lag ich kurz darauf der Länge nach auf dem Rücken. Ohne Schutz in diesem Bereich, einzig meine Hände versuchten noch den Aufprall irgendwie zu dämpfen.
Es ging nichts mehr!!!! Ich versuchte aufzustehen und spürte leichte Schmerzen im „Steiß“. Sofort kam Hilfe von Zuschauern, die unmittelbar an der Stelle „campierten“ wo mir das Missgeschick passierte. Sie schleppten mich von der Straße und fragten mich, wie es mir gehen würde. Ich lächelte und versuchte nicht an den Schmerz zu denken, richtete mich auf und sagte dankend, das es mir nicht so gut geht. Die Inliner hatten sie mir ausgezogen, ich stand auf Socken am Zaun und hätte heulen können vor Wut und Enttäuschung. Es ging nicht, ich konnte nicht sitzen und auch nicht aufrecht stehen, an eine Wiederaufnahme des Wettkampfes war gar nicht zu denken. Die Zuschauer, die mir geholfen hatten, boten an, einen Krankenwagen zu rufen, welches ich dankbar annahm. Glücklicherweise war ein postierter Krankenwagen wegen des Marathons gar nicht so weit weg. Inzwischen nahmen die Schmerzen mehr und mehr zu. Das Gefühl wurde stärker, das der Sturz doch heftiger war, als ich ihn tatsächlich erlebt habe.
Die Sanitäter kamen endlich und legten mich auf die Barre, es ging ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort hatte ich natürlich keine 10 Euro für die Behandlung dabei, trotzdem nahm man mich auf und mein Rücken/Steiß wurde geröntgt. Eine starke Prellung konnte man feststellen, aber mehr auch nicht. Ich bekam eine Spritze und die Unterlagen für meinen Hausarzt. Jetzt begann aber die eigentliche Tortur, denn wie bekam ich jetzt meine restlichen Klamotten her?!? Ich organisierte dies mit einem Anruf bei meiner Familie, die natürlich reichlich geschockt war. Mein Sohn kam vorbei und wir holten meine Sachen. Langsam bewegte ich mich, ich kam mir ziemlich alt vor.
Der restliche Tag verlief schleppend, immer wieder sah ich meinen Sturz vor Augen und konnte mir nicht erklären wie das passiert ist, gerade anders als ein üblicher Sturz mit Inlinern. Das erschreckende dabei war allerdings, das mein Hausarzt mich zur Kernspintomographie geschickt hatte, weil die Schmerzen im Sitzen, Liegen, Stehen nicht nachließen und das Ergebnis war, das ich einen zweifachen Bruch des „Kreuzbeins“ hätte, welches in unmittelbarer Nähe zum Steißbein ist. Leicht, besser schwer geschockt verließ ich das Roentgenzentrum in Rodenkirchen. Ausser absoluter Ruhe und wenig Bewegung war keine Behandlung möglich. Wie sollte ich 4 Wochen nach diesem Sturz beim Roentgenlauf (Ultra) starten?!? Ich hakte das Jahr ab und schonte mich 2 Wochen lang. Auch in der 3. Woche schmerzte es noch, ich ging wieder arbeiten und machte mir leise Hoffnungen auf den Roentgenlauf in Remscheid. Es funktionierte, ich lief ihn, stieg allerdings überglücklich bei der Marathongrenze aus, denn das war mehr, als ich jemals erwartet hätte!!!!!!!!!