Stockholm-Marathon vom 31.05.2008
Stockholm ist eine Reise wert, mit und ohne Marathon!!!
Aber reicht diese Feststellung um andere Läufer und Begleiter neugierig zu machen?!?
Eindeutig ja, spätestens dann, wenn Du selbst dagewesen bist und dies bestätigen kannst.
Die Anreise gestaltete sich kurzweilig mit dem ICE von Köln nach Frankfurt, um von dort aus mit dem Flieger in Richtung Stockholm (Arlanda) zu starten und hier mit dem Arlanda-Express (Zug) in die City zu fahren. Was als erstes auffiel, war, das der Zug pünktlich fuhr, wie alles, was wir in den Folgetagen an Schienen-Verkehrsmitteln benutzten.
Unser Hotel lag nur wenige hundert Meter zum Bahnhof. Nach dem Check-In im Hotel, etwas frisch machen und einer kurzweiligen Pause, folgte der erste Kurztrip durch die nähere Umgebung. Bei noch sehr angenehmen Temperaturen streiften wir gegen 19 Uhr durch die Innenstadt, begleitet von Touristen aus halb Europa und einigen anderen Flecken auf dieser Welt. Holländer, Franzosen, Italiener, Finnen, Finnen und noch einmal Finnen, Amerikaner, Engländer, Iren, Russen…… und einigen Deutschen, bekamen wir einen Geschmack auf die Internationalität des 30. Stockholm Marathons am Folgetag.
Gemixt mit einem Flair, das „Venedig des Nordens“ zu sein, verflog die Zeit nur so.
Die Stadt machte uns neugierig, in den nächsten beiden Tagen mehr von ihr zu sehen.
Am Samstag wollten wir die Zeit nutzen, die wir bis zum Abholen der Startunterlagen hatten. Bis 12:30 war dies möglich und um 14 Uhr sollte der Startschuss erfolgen.
Der große Vorteil dieser interessanten Stadt ist es, das man vieles auch zu Fuß erreichen kann, oder sehr kurzweilig mit der U-Bahn/Straßenbahn unterwegs ist, die auch die umliegenden Inseln erreichen, da Stockholm nicht nur von Wasser umgeben, sondern auch getrennt ist.
Der Vormittag wurde also mit reichlich Kultur verbracht, ehe wir kurz vor 12 Uhr die offenen Tore des alten ehrwürdigen Olympia-Stadion der Spiele von 1912 betreten haben. Hier liefen die letzten organisatorischen Vorbereitungen für den Zieleinlauf und die Vorbereitung der Ballons für die verschiedensten Pacemaker. Das Stadion hatte etwas, es strahlte Gemütlichkeit aus und hatte irgendetwas familiäres, nicht wie diese riesigen Fußballarenen. Die Vorfreude stieg erheblich an. Beeindruckend war die Weltrekordtafel,
die die unzähligen Weltrekorde dokumentierte.
Etwas beseelt von den Eindrücken, reihten wir uns in die immer größer werdenden Menschenmengen, die in Richtung eines nahegelegenen Stadions gingen, wo es die Startunterlagen gab und reichlich Platz für Umkleide, Kleiderbeutelabgabe, Messe, Duschen, Verpflegung nach dem Marathon und Finisher-Shirt-Ausgabe. Ein weitläufiges Gelände, sehr angenehm bei den 18000 Startern und einigen Hundert oder Tausend Begleitern, die sich vor dem Marathon ebenfalls auf dem Gelände aufhalten durften.
Obwohl die Kleiderbeutel bewacht wurden, gab es in den Startunterlagen einen Aufkleber mit dem Hinweis, das dieser für die gesonderte Wertsachenabgabe genutzt werden konnte. Klasse Service!!
Gegen 13:30 Uhr machten sich die meisten auf den Weg zum Startbereich, der ca. 300 Meter entfernt war. Ich schloss mich an und hatte zum ersten Mal das Gefühl bei einem nicht nur internationalen Marathon dabei zu sein, sondern bei einem multinationalen Wettbewerb mitlaufen zu dürfen. Schwedisch, Finnisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Norwegisch, Holländisch waren die häufigsten Wortfetzen, die ich auf dem Weg zum Start mitbekommen habe. Die nordischen Sprachen konnte ich aber erst unterscheiden, nachdem ich den Läufer/innen auf ihre Startnummer geguckt hatte, denn hier war bei jedem Starter die nationale Flagge abgebildet, eine schöne Idee, wie sich später herausstellen sollte.
Amerikaner, Russen, Spanier, Portugiesen, Iren, Schotten waren die nächsten, die vom Sprecher während der Wartezeit bis zum Start lauthals begrüßt wurden.
Die Finnen stellten mit einigen tausend Läufern die größte ausländische Fraktion.
Kurz bevor der Startschuss fiel unterhielt ich mich mit einem Berliner Läufer, wir bemerkten, das sie die „Erststarter“ in die letzten beiden Startblöcke gesetzt hatten,
denn alle Pacemaker waren vor uns postiert. Der letzte Tempomacher stand ca. 50-100 Meter vor uns, dieser war für eine 5:30 vorgesehen.
Wir waren etwas verdutzt, denn er wollte eine 3:45 und ich eine 4:30 laufen. Das hieß auf den ersten Kilometern, zickzack laufen, denn die Straßen waren nicht wirklich breit genug, das sich das Feld verteilen würde. Unsere einzige Hoffnung war das sehr warme Wetter, das sich die meisten Läufer eher zurückhaltend auf den Weg machen würden.
Wie sollte ich bei diesen Massen meine Frau und meinen Sohn ca. 1 km nach dem Start am Olympia-Stadion sehen?!? Ich hielt mich rechts und hielt Ausschau nach Ihnen, sie wussten was ich trug, natürlich mein orangefarbenes Laufshirt mit dem „Kölle“-Aufdruck vorne und den Highlights verschiedener Marathon´s und Ultra´s auf dem Rücken.
Das allerdings so viele in Orange liefen, überraschte mich. Ich sollte mir für diese großen Läufe vielleicht eine auffälligere Farbe suchen. ![]()
Wir sahen uns aber trotzdem, denn ich lief sehr langsam am Stadion vorbei. Die Freude war groß, denn verabredet hatten wir uns am Start und im Zielbereich, wir klatschten uns ab und ich bekam noch die guten Wünsche hinterhergerufen.
So motiviert hielt ich hier bereits zum ersten Mal an und machte einige Stimmungsbilder.
Meine Zeit war auf 4:30 ausgerichtet, so sollte ich eigentlich locker durchkommen und zwischendurch immer mal wieder schöne Bilder machen können. Letztendlich sollte Stockholm ja Spaß machen und als Vorbereitung für Brühl (12-Stundenlauf) dienen.
Nach diesen ersten Bildern lief ich zum Berliner Läufer auf und wir liefen tatsächlich die ersten 5-8km im Zick-Zack-Kurs durch die Menge. Rechts, links, über den Bordstein links,
durch die Mitte, aber nie so, das wir rempelten oder drängelten. Wir nutzten jede Lücke, die sich zufällig ergab. Teils war es gar nicht so einfach, denn vor uns waren ja noch einige, die sich auf ihre eigene Zeit konzentrierten und wie überall, weiter vorne standen, als es ihre spätere (schlechtere) Zielzeit hergab.
Den ersten Pacemaker hatten wir schon hinter uns gelassen und der 5:00 Std. Pacemaker war unmittelbar vor uns. Verpflegungspunkte hatten wir schon reichlich genutzt und bei km 10 gab es eine von den vielen Duschen die bei diesen warmen Temperaturen für Abkühlung sorgen sollten. Ich entschloss mich jedoch keine dieser Duschen zu nutzen, denn die Wärme machte mir bei dem verlangsamten Tempo keine Probleme und zusätzlich wollte ich wegen der Kamera nichts riskieren.
Die Strecke war schön und abwechslungsreich, teils wellig und wir näherten uns das erste Mal der berüchtigten Västerbron-Brücke bei km 12. Warum berüchtigt?!? Weil sie durch ihren 38m hohen Anstieg nicht ganz ohne sein soll. Hier zog sich das Feld auch leichter auseinander, denn viele hatten hier Respekt, wussten sie doch, das es in der 2 Runde ein Wiedersehen geben würde.
Viele nahmen hier das Tempo merklich raus oder entschieden sich sogar zu gehen. Durchaus verständlich für jemanden, der sonst vielleicht nur auf ebener Strecke läuft.
Aber ohne jetzt überheblich zu wirken, waren diese paar Meter im Vergleich zu 1200m Gesamthöhendifferenz beim Rheinsteig extrem (34km), nicht mehr als ein kleiner Hügel.
Dennoch hielt ich hier zum Fotografieren an und wollte die unterschiedlichsten Arten der Bewältigung dieser Brücke festhalten.
Die erste von 2 großen Überraschungen des Laufs war die Verpflegung bei km 19. Ich sah keine Verpflegungstische, dennoch drängte es die Läufer nach links und nach rechts. Was sollte es denn hier geben?!? Salzgurken!!!!! An den beiden Straßenrändern standen jeweils versetzt, Frauen, die den Läufern Salzgurken reichten. Ich nahm die angereichte halbe eingelegte Gurke und entschloss mich ca. 50 m später noch eine zu nehmen. Sehr lecker und zudem eine klasse Idee, diese anzureichen. Allerdings dachte ich mir, schön, die Gurke schmeckt, aber mit dem leicht salzigen Geschmack im Mund bekomme ich bestimmt Durst!!! Und was gehört zu einer tollen Orga?!? Richtig!!! Ein Verpflegungspunkt mit Getränken, der ca. 500 m später kam. Das wiederholte sich später mehrfach. So folgten noch einige Verpflegungspunkte, bei denen es zuerst etwas zu essen gab und kurz darauf die Getränke angeboten wurden.
Einmal gab es Bananen, später dann wurden Riegel gereicht und ca. 5km vor Ziel gab es noch einmal Traubenzucker vor den jeweiligen Getränken.
Hier hat man sich wirklich Gedanken gemacht, wie der Verpflegung zu entzerrt werden kann. Ebenso die Reihenfolge, bzw. welches Getränk wann angeboten wird, war durchdacht, waren bis km20 noch Wasser und Isogetränk auf den Tischen, kam später noch Tee, Bouillon und Cola hinzu.
Die zweite Überraschung war, das ich kurz zuvor von meiner Family lauthals angefeuert wurde, hatten wir uns tatsächlich auch noch einmal auf der Strecke gesehen. ![]()
Bis km 22 ähnelte die 2. Runde der ersten, danach ging es durch den Königlichen Park Djurgarden, bevor es dann bei ca. km27 wieder zurück auf den alten HM-Kurs ging.
Durch die City, wieder rauf auf Gamla Stan (die Insel des königlichen Schlosses), von dort aus entlang am Wasser von Södermalm in Richtung Västerbron-Brücke. Das Feld wurde ruhiger, die meisten bereiteten sich wohl mental schon auf das zweite Überwinden der Brücke vor. Die Zuschauer, die sonst eigentlich nur präsent waren, wurden hier richtig unterstützend und feuerten an. Wenn ich etwas an diesem Marathon zu mäkeln habe, dann ist es die fehlende Unterstützung der schwedischen Zuschauer. Sie waren zwar reichlich vorhanden und interessierten sich auch für den Lauf, aber Anfeuerungen, Rufe, Applaus, Rasseln, Abklatschen von Kindern, all das, was ich von heimischen Läufen kannte, fand hier einfach fast nicht statt!! ;-( Einzig die Begleiter von ausländischen Läufern machten hier Stimmung und feuerten die Läufer an und hier speziell ihre Landsleute, denn diese erkannten sie ja an den abgebildten Flaggen auf den Startnummern. So waren dann doch einige Stimmungsnester vorhanden.
Nun schlich dann doch die Mehrzahl der Läufer im Schritt den Weg zur Brücke hinauf. Ich lief locker an ihnen vorbei und wollte dieses Mal keine Fotos machen. Das wäre mir ein wenig zu überheblich vorgekommen. Nach der Brücke waren wir in Kungsholmen wieder in Richtung City unterwegs, wo es dann mit Norrmalm und Vasastan wieder in Richtung Olympisches Stadion ging, allerdings dieses Mal nicht dran vorbei laufen, sondern in das altehrwürdige Stadion hinein. Mir wurde schon bei km35 mulmig, hatte ich doch schon eine erste Erfahrung mit einem geilen Gänsehaut-Feeling beim Finish in Luxemburg gehabt, wo es den Zieleinlauf in einer großen Sporthalle gab.
Das Stadion würde voll besetzt sein. Es war immer noch herrliches Wetter bei ca. 25 Grad
und keine einzige Wolke am Himmel. Ist es in Stockholm immer um diese Jahreszeit so toll?!? 2007 waren es über 30 Grad beim 29. Stockholm Marathon!!
Viele durchnässte Läufer waren auf dem Weg ins Stadion, entweder gezeichnet durch das Wetter, oder durch eine freiwillige Dusche bei den unzähligen aufgestellten mobilen Duschen. Zuerst liefen wir am Stadion entlang, bevor wir auf der Rückseite hineinlaufen durften. Die Gänsehaut war in ihrer stärksten Ausprägung vorhanden, zudem sah ich meine Frau und meinen Sohn auf der Tribüne, ich hielt kurz an und wir stimmten gemeinsam die La-Ola-Welle an. Einige Bilder machte ich noch, bevor ich mich auf die letzten 200 Meter der Stadionrunde begab. Volles Stadion, tolle Stimmung, Videoleinwand mit dem eigenen Zieleinlauf wurden zu einem unvergessenen Erlebnis.
Wann werde ich als aktiver Sportler noch einmal in den Genuss kommen, in einem Olympia-Stadion zu finishen?!?
Meine Zeit war ja zweitrangig, dennoch bin ich im vorgebenen Fenster mit 4:25:12 geblieben.
Eigentlich wäre hier die Story zu Ende, wäre nicht noch das eine oder andere organisatorische Highlight zu erwähnen, welches sich andere Veranstalter gerne abgucken sollten.
Der kurze Weg (ca. 300 Meter) vom Olympia-Stadion zum „Athletendorf“ ist erwähnenswert, denn hier war alles untergebracht. Nun war das Gelände nur noch den Läufern vorbehalten, die in einen regelrechten Kanal zur Chipabgabe (es gab nur Leihchips) kamen und hierdurch erst die Möglichkeit hatten, sich das Finisher-Shirt abzuholen. Das Shirt in der Hand ging es auf den 2. Teil des „Kanals“ zu, wo jedem Läufer eine kleine Tüte gereicht wurde. Inhalt dieser überraschenden Gabe war, ein Proteingetränk, eine Banane, eine Dose Cola, ein Beutel geröstete und gesalzene Sonnenblumenkerne, eine Schachtel Rosinen und ein Schokoladenkeks. Läuferherz, was willst und brauchst Du mehr, denn es gab ja noch mehr auf diesem Platz, vom Hot-Dog über Bier und anderen Getränken und das bei zu vernachlässigenden Warteschlangen.
Nur am Rande zu erwähnen ist, das die Duschen und Umkleideräume im Stadion reichlich vorhanden waren.
Den Samstagabend ließen wir dann noch bei einem schönen Essen in einem schwedischen Restaurant ausklingen. Am Sonntag war dann noch einmal reichlich Sightseeing und Shopping angesagt, denn die Mehrzahl der Geschäfte hat auch am Sonntag geöffnet und die waren reichlich besucht.
Stockholm ist eine Reise wert, entweder mit oder ohne Marathon.
2 Tag sind allerdings viel zu wenig, daher waren wir bestimmt nicht zum letzten Mal dort!!
Grüße
Michael